03 | Passo del Gottardo – Cna Rotondo

Beissende Schafe

Lange habe ich überlegt ob ich heute die lange oder die kurze Variante wählen soll. Nach den letzten beiden Trainingseinheiten (5 Std.) sollte ich doch für eine 8-Std-Tour fit sein. Das schafft doch auch der Jörg und er ist ja schon 40 (😜).

Ich gehe früh los, der Gotthardpass ist sooo ruhig, kaum wieder zu erkennen. Nur vereinzelte schläfrige Gesichter schauen aus den parkierten Camper nach dem Wetter.

Einzig die Bergpieper begleiten mich entlang dem Lucendrosee, hoch oben grasen die Schafe, aber da muss ich ja nicht hin. Ich steige bei der Alp Lucendro ins Tal hoch stetig auf der Suche nach der Reussquelle. Zum Glück verläuft der Weg im Schatten, so komme ich zügig voran. Kurz unterhalb des Passes liegt ein halbvereister See und daneben den ersehnten Markierstein. Ob das Wasser wirklich bei Luzern vorbeifliesst, wage ich zu bezweifeln, der grossen Lucendro Staumauer nach.

Nach der Passüberquerung rutsche ich auf den Schneefeldern runter und plötzlich stehe ich mitten in den Alpenrosenheinen. Querfeldein steige ich zum Militärsträsschen runter und ruhe mich aus. Vor mir strecken sich der Cristallina und der Basodino in den Himmel, da komme ich in 10 Tage auf dem Rückweg vorbei.

Plötzlich steht ein Signal vor mir „Achtung beissende Schafen“, hoppla, da gilt‘s aufzupassen. Der Weg zum Cavannapass steigt schnurgerade 700m hoch, also den kleinsten Gang rein und weiter. Meine Aufmerksamkeit gilt ganz den beissenden Schafen und fast übersehe ich eine Kreuzotter auf dem Wanderweg. Kurze Fotosession und dann sind wir beide froh, dass sich unsere Wege trennen.

Mit den beissenden Schafen und den kriechenden Wildtieren im Kopf suche ich mir ein ideales Plätzchen für das Mittagessen. Schatten kann ich hier vergessen, etwas Abkühlung finde ich aber mit einem Fussbad im eiskalten Schneewasser.

Das letzte Stuck hoch zum Pass ist happig, aber mit neuer Energie im Bauch kommt‘s gut. Steine überall, Steine die aber fachmännisch gelegt wurden, um bei der Steigung zu helfen. Jetzt ist die Rotondohütte in Sicht, aber sie ist noch ganz klein im Bild. Über Schneefelder und Tausenden von Steintritten sinkt die Höhenangabe auf meinem Victorinox. Die gegenüberliegende Steigung zur Hütte fordert mich nochmal aus, aber nach knapp sieben Stunden komme ich todmüde an.

Die Rotondohütte liegt schön vor den Lekihörner, rundum ist noch sehr viel Schnee, aber wenig Gäste sind angemeldet, darum bekomme ich ein Zimmerchen ganz für mich. Pünktlich um 18:00 Uhr pfeift Pia die Hüttenwärtin alle zusammen auf der Terasse zum Apéro mit Weisswein und Crostini. Der Rest des Abends verläuft gesellig beim Nachtessen.

Diese Runde war taff, bin froh, dass morgen „nur 5 Stunden“ auf dem Programm stehen (😜).

Meine Etappe:

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4 Antworten auf „03 | Passo del Gottardo – Cna Rotondo“

  1. Hoi Luigi
    Danke für die namentliche Erwähnung im Bericht, fühle mich geehrt! Bei mir geht’s diesen Do+Fr los auf den Kesch. Nicht ganz so weit wie deine TransAlp-Tour, aber für einen 40 Jährigen… du weisst schon 🙂
    Ich wünsche dir weiterhin alles Gute auf deiner TransAlp – und immer genügend Vibram-Profil unter den Füssen.
    Grüsse Jörg

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